Visconti sah Maria Callas
1949 zum ersten Mal an der Römischen Oper in der
Rolle als Kundry aus Richard Wagners Parsifal. Seit dieser
Aufführung war er von dem Wunsch beseelt, eigens für
sie eine Oper zu inszenieren.
La Vestale war Viscontis erste von insgesamt fünf Produktionen
mit und speziell für Maria Callas an der Mailänder
Scala.
Beide sagten später übereinstimmend, sie hätten
viel voneinander gelernt.
Visconti:
"Ich vertraute
ihr unbedingt, weil sie ein unfehlbares Gefühl
für den genau
günstigen Augenblick besaß, einen untrüglichen
musikalischen Instinkt und das Talent
einer dramatischen Schauspielerin, einer Tragödin...
Ich arbeite seit Jahren mit
Schauspielern, Tänzern, Filmstars und Sängern zusammen.
Zweifellos ist Maria Callas
die disziplinierteste und professionellste Künstlerin,
mit der ich jemals zu tun hatte."
Maria Callas:
"Ja, ich habe sehr gerne mit ihm zusammengearbeitet...
Er hütete sich vor dem Versuch, mich als Marionette zu
benutzen. Das hätte auch nie funktioniert, und wir hatten
große künstlerische Achtung
voreinander... Doch der Lebensnerv unserer künstlerischen
Zusammenarbeit war vor allem unsere Überzeugung, dass
in einer Oper die Bühnengestaltung ein natürliches
Ergebnis der Musik ist...
Ich will nur noch eines anmerken. Ich habe sehr
viel dagegen, über, sagen wir, Traviata oder eine andere
Oper so zu sprechen, als gehöre sie dem Produzenten.
Sie gehört auch nicht mir. Man kann sagen, die Callas
war in Traviata gut, schlecht oder mittelmäßig.
Das ist alles.
Selbst wenn es fünfzig Viscontis gäbe oder fünfzig
Callasse (Gott behüte!), so ist und bleibt Traviata das
Werk von Verdi, und wenn man will, von Piave, dem Textdichter.
Wir sind Interpreten,
das dürfen wir nie vergessen. Und es ist unsere
Pflicht, dem Komponisten und der Kunst mit Respekt zu dienen.
Sobald wir zu groß für unsere Schuhe werden, sind
wir erledigt."